Die
Autorin lotet die Märchen aus in ihren familiären und intrapersonalen
Konflikten. Dabei gehört gerade bei KHM 65 ein gewisser Mut dazu,
nach den Untersuchungen von Verena Kast u.a. neue tiefenpsychologische
Perspektiven zu erschliessen.
Doch das gelingt.
Der Entwicklungsprozess der jeweiligen Heldin wird in seinen einzelnen
Phasen als Exempel weiblicher Selbstfindung eingehend und im Grossen
und Ganzen überzeugend interpretiert: bei Allerleirauh die Rauhtier-Phase,
das Dasein im Bereich der Küche, des Dienens und Nahrungbereitens,
die Notwendigkeit des Wartenkönnens, der Erlösung in
mehreren Schritten, die Symbolik des Tanzes und die kosmischen
Kleider. |
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Bei Zweiäuglein geht es um die Auflösung destruktiver
Familienmuster, um die märchentypische Doppelgestalt des mütterlichen
Prinzips, um den Apfelbaum, der als Symbol des Heilwerdens mit seiner
Besitzerin magisch verbunden bleibt.
Gerade diese beiden Märchen habe sie gewählt - so erklärt
die Autorin -, weil sie ihre Deutungen zu Allerleirauh als Beitrag
zum Tabu-Thema des Kindesmissbrauchs verstehe. Mit der Interpretation
von KHM 130 möchte sie zum Nachdenken anregen über schwarze
Schafe in der Familie, speziell über Kinder, die in eine Aussenseiterrolle
gedrängt werden. Und so fehlen denn in ihren Ausführungen
auch Bezüge zur Realität von Familienkonstellationen nicht.
Helga Volkmann |